Forschungsprojekte Ernährungsmedizin

Med-Pass Studie
Fragestellung
Veränderung der Gesamtenergie- und Eiweisszufuhr: Eine randomisierte, kontrollierte Studie mit zwei Verabreichungsmodi für orale Nahrungssupplementation (ONS) – herkömmlicher Modus versus MedPass-Modus.

Hintergrund
Mangelernährte Patientinnen und Patienten sowie Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Risiko einer Mangelernährung sind zur Abdeckung ihres Energie- und Proteinbedarfs oft auf sogenannte orale Nahrungssupplementationen (ONS) angewiesen. In der Literatur wird die Einnahme der ONS meist als problematisch beschrieben, oftmals verbunden mit einer tiefen Compliance. Diese Problematik kann eine Barriere zur adäquaten oralen Ernährungsintervention im klinischen Setting darstellen. In dieser Studie steht der Verabreichungsmodus von ONS im Vordergrund. Es existieren keine standardisierten Richtlinien bezüglich dem Zeitpunkt sowie der Art und Weise der Verabreichung von ONS. Dies führt im klinischen Alltag dazu, dass die Abgabe vom zuständigen medizinischen Personal (Pflegefachpersonen, Pflegehilfspersonal, Hotelleriefachangestellte) aktuell unterschiedlich gehandhabt wird. Herkömmlicherweise wird ONS als Zwischenmahlzeit verabreicht. Der sogenannte MedPass-Modus bietet einen neuen Ansatz. Die Verabreichung der ONS im MedPass-Modus bedeutet, dass die Verabreichung der verordneten ONS zusammen mit der Medikation, in der Regel 3 oder 4 Mal täglich in unüblich kleinen Portionen stattfindet. 

Ziele
In dieser Studie soll untersucht werden ob:

  • die Gesamtzufuhr von Energie und Protein durch die systematische Anpassung der Verabreichungsmodus von ONS mit dem MedPass-Modus vs. dem herkömmlichen Modus verbessert werden kann.
  • die Faustschlusskraft als sensibler Parameter für die Protein-Energie-Mangelernährung mit dem  MedPass-Modus optimiert werden kann.
  • sich die Spitalaufenthaltsdauer und die 30-Tage Mortalität zwischen den beiden Gruppen unterscheidet.

Die Studie wird voraussichtlich im Verlaufe 2018 im Tiefenauspital gestartet.

Verantwortlich

  • Silvia Kurmann, MSc in Nutriton Clinical Specialization, Dozentin Berner Fachhochschule Gesundheit, Ernährung & Diätetik
  • Anna-Barbara Sterchi, BSc, EMBA, Leiterin Ernährungsberatung UDEM, Inselspital Bern
  • Prof. Zeno Stanga, Leiter Ernährungsmedizin UDEM


Kompatibilität und Stabilität von Levetiracetam in kommerziellen parenteralen Nährlösungen

Das Ziel der Studie ist eine Erfassung der Stabilität und Kompatibilität von Levetiracetam, einem neutralen und hydrophilen Antiepileptikum, in kommerziellen «all-in-one» Nährlösungen. Dies soll mit Hilfe von einfachen und validierten Methoden gemacht werden, um die nötigen Daten zeitgerecht zur Verfügung zu stellen. Eine praktische, dokumentierte und sichere Behandlung mit einer parenteralen Nährlösung als Medikamententräger kann so gewährleistet werden. Mittels LC-MS/MS Messungen, pH Bestimmungen, visueller Kontrolle und Lichtmikroskopie wurden die Proben in Zusammenarbeit mit der Labormedizin im Kantonsspital Aarau (Prof. Huber) analysiert. Die beschriebenen Methoden erwiesen sich als geeignet, um Stabilitätsuntersuchungen im klinischen Alltag zu machen. Levetiracetam zeigte sich in drei verschiedenen Konzentrationen und drei unterschiedlichen Temperaturen als stabil über eine Woche in den verwendeten «all-in-one» Nährlösungen.

Namito Studie: Ernährungsassessment bei  Patientinnen und Patienten mit mitochondrialen Zytopathien
Patientinnen und Patienten mit mitochondrialen Zytopathien sind einem hohen Mangelernährungsrisiko ausgesetzt und weisen häufig Symptome auf, welche die Ernährungssituation verschlechtern können. Ziel dieser Studie ist, ein ausgedehntes Ernährungsassessment durchzuführen und spezifische metabolische Erkenntnisse aufzuzeigen, welche für die weitere ernährungsmedizinische Beratung und Betreuung dieser Patienten wegweisend sind. In dieser prospektiven Beobachtungsstudie mit einer gesunden Kontrollgruppe und ambulanten Patienten mit einer mitochondrialen Zytopathie wurde der NRS 2002, die Lebensqualität mittels SF-36 v2 und die Körperzusammensetzung mittels BIA gemessen. Zudem wurde eine indirekte Kalorimetrie Messung und eine quantitative und qualitative Analyse der Ernährungsgewohnheiten (7-Tage-Essprotokoll) gemacht. Bei den Patienten wurden zu-sätzlich ein umfassendes Blutbild und eine 24h-Urin Analyse durchgeführt.

HNSCC Studie: Outcome nach einer präoperativen Immunonutrition bei Patienten mit einem HNO-Plattenepithelkarzinom
Patienten mit HNO-Karzinomen zeigen eine erhöhte präoperative Prävalenz für Mangelernährung und eine hohe Inzidenz von postoperativen Komplikationen. Dazu gehören lokale Wundinfektionen und eine schlechte Wundheilung, Bildung von Fisteln, Sepsen oder auch Pneumonien und andere Infekte. Patienten, welche perioperativ eine Ernährungssupplementation mit Immunonutrition erhielten (Komponenten: Arginin, Omega-3-Fettsäuren, Nukleotiden mit/ohne Glutamin), zeigten in einigen Studien einen Vorteil bezüglich postoperativem Outcome und zwar: weniger infekt-bedingte und lokale Komplikationen, kürzere Hospitalisationsdauer, besseres Ansprechen auf die Radio-Chemotherapie und bessere Lebensqualität. Das Ziel der Studie ist es, in einer retrospektiven Analyse bei HNO-Plattenepithelkarzinom-Patienten, den Effekt einer präoperativen Verabreichung von Immunonutrition (Oral Impact®) zu untersuchen. Dazu werden eine historische Patientengruppe ohne Immunonutrition versus einer Patientenpopulation nach präoperativen Erhalt einer 5-tägigen oralen Immunonutrition bezüglich dem postoperativen klinischen Outcome (lokale und medizin-chirurgische Komplikationen und Hospitalisationsdauer) vergleichen.

Mitarbeit bei Multicenterstudie Effort: Team Klinisches Ernährungsteam Ernährungsmedizin
2015 bis 2017 wurde auch am Inselspital die Effortstudie durchgeführt. Ziel der Studie war, den Effekt der Ernährungstherapie bei mangelernährten Spitalpatienten nach State of the Art durchzuführen und die Auswirkung der Behandlung zu untersuchen. Die Publikation wird demnächst erwartet.

Erfassung der Mangelernährung am Inselspital unter SwissDRG 
C. Aeberhard, E. Aubry, M. Leuenberger, A.-B. Sterchi, Z. Stanga

2013 bis 2016 wurden die stationären Patientinnen und Patienten, welche mit Mangelernährung kodiert wurden erfasst. Die Daten wurden analysiert bezüglich Schweregrad der Mangelernährung, Hauptdiagnose, Klinik (Fachdisziplin), Hospitalisationsdauer, Alter und Geschlecht. Ein weiterer Fokus ist der finanzielle Aufwand und der Ertrag durch die erlösrelevanten Fälle. Die Publikation erfolgte 2018 in der Aktuellen Ernährungsmedizin.